agorum® ALBERT | AI Lokale KI im Eigenbetrieb, das Wichtigste vorab
Lokale KI bedeutet, dass ein KI-Modell auf eigener Hardware im eigenen Netz läuft. Die Daten verlassen das Haus nicht. Wir betreiben seit kurzem einen eigenen KI-Server mit drei Diensten auf einer Grafikkarte, aufgesetzt gemeinsam mit ALBERT | AI. Die Einrichtung übernahm die KI, die Entscheidungen trafen wir.
Für Entscheider die Kurzfassung.
- Ein Server, drei Dienste. Als Sprachmodell läuft Gemma 4 26B A4B mit 256.000 Token Kontext, dazu Whisper large-v3 für die Transkription und PaddleOCR-VL 1.6 für die Dokumentenerkennung. Alle drei teilen sich eine Grafikkarte mit 96 GB Speicher.
- Rollenwechsel statt Zeitersparnis als Hauptgewinn. Wir haben keine Befehle mehr getippt. Wir haben entschieden, welches Betriebssystem, welcher Treiberzweig und welcher Ansatz für die Dokumentenerkennung.
- Messbare Alltagsleistung. Bei 32 gleichzeitigen Anfragen liefert der Server 1.724 Token pro Sekunde. In einer wachsenden Unterhaltung sinkt die Wartezeit bis zum ersten Wort von 32,81 Sekunden auf 0,57 Sekunden.
- Ein Neustart-Test deckte einen versteckten Fehler auf. Ohne ihn hätte ein Dienst dauerhaft mit knapp 40 Prozent weniger Zwischenspeicher gearbeitet, ohne Fehlermeldung.
- Produktive Prozesse laufen bereits. Bildverschlagwortung, Eingangsanalyse mit Dringlichkeitsprüfung, kontextbezogene Abwesenheitsantworten und die Transkription von Sprachnachrichten aus entgangenen Telefonaten.
- Datensouveränität ist hier Architektur. Die Daten liegen ausschließlich in unserer eigenen Infrastruktur.
Was diesen Bericht von einer Produktbeschreibung unterscheidet, sind die Stellen, an denen es nicht glatt lief. Genau die waren die lehrreichen.
Der KI-Server beim Einbau in den Serverschrank
Vor allen Messwerten stand die Hardware. Das folgende Video zeigt den neuen KI-Server beim Einbau in unseren Serverschrank und bei der Inbetriebnahme.
Ab dem Moment, in dem die Maschine lief, wanderte die Arbeit vollständig auf die Kommandozeile. Die nächsten Abschnitte beschreiben, was dort passierte.
Warum betreibt ein Unternehmen KI auf eigener Hardware?
Weil damit die Grundfragen beantwortet sind, bevor die erste Anfrage gestellt wird. Wem gehören die Daten, wer darf was sehen, was passiert beim Modellwechsel. Bei lokaler KI liegt die Antwort in der eigenen Infrastruktur, nicht in einem Vertrag.
Unsere Ausgangslage war ein neues Gigabyte-GPU-Gehäuse mit einer NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell und 96 GB Grafikspeicher. Konkret meldet die Karte 97.887 MiB. Darauf sollten drei Dienste laufen.
- Gemma 4 26B A4B als großes Sprachmodell für Chat und Textverarbeitung, ansprechbar über eine OpenAI-kompatible Schnittstelle. Es handelt sich um ein Mixture-of-Experts-Modell, von dem pro Anfrage nur 4 Milliarden Parameter aktiv sind.
- Whisper large-v3 als Transkriptionsdienst.
- PaddleOCR-VL 1.6 für die Dokumentenverarbeitung.
Alles auf derselben Grafikkarte, alles in Docker gekapselt, alles nach einem Neustart von selbst wieder oben. Dazu die Überwachung im bereits vorhandenen Zabbix.
Was wir nicht wollten, waren zwei Tage Arbeit an Treiberversionen, Container-Laufzeiten und Speicherbudgets. Also haben wir es anders gemacht. ALBERT | AI bekam Zugang zum Server, und wir haben die Einrichtung begleitet, statt sie selbst durchzuführen.
Wie läuft eine Server-Einrichtung ab, die eine KI übernimmt?
Der Mensch entscheidet, die KI führt aus. Nach der Installation des Betriebssystems richteten wir Netzwerk und Zugang ein. Ab da lief alles über die Kommandozeile, und ab da haben wir nichts mehr selbst getippt.
Das ist der Kern des Ganzen und es ist keine Kleinigkeit. Wir haben einer KI weitreichende Rechte auf einer Maschine gegeben, die produktiv werden sollte. Es wurde uns auch nicht als Kleinigkeit verkauft. Wir bekamen eine klare Aufstellung, was das bedeutet, wie sich der Zugang zurücknehmen lässt und welche Alternative es gegeben hätte.
Die erste Entscheidung fiel, bevor ein Betriebssystem lief. Unsere Frage war banal, Debian oder Ubuntu. Unsere übrige Serverlandschaft läuft auf Debian. Die erste Antwort war ein klares Votum für Ubuntu, mit dem Argument, NVIDIA unterstütze Ubuntu-LTS als Erstklassenplattform.
Als wir nachhakten, passierte etwas Bemerkenswertes. Statt die eigene Empfehlung zu verteidigen, wurde sie überprüft. Ein Blick in das Paketrepository von NVIDIA zeigte einen vollständigen, tagesaktuellen Zweig für Debian 13 mit denselben Treiberversionen. Die Empfehlung wurde revidiert und begründet. Ein Sonderfall im Park ist auf Dauer teurer als etwas mehr Suchaufwand.
Es wurde Debian 13.6 mit Kernel 6.12.96. Wir hatten von Anfang an den Eindruck, es nicht mit einem Werkzeug zu tun zu haben, das uns nach dem Mund redet.
Welche technischen Hürden treten beim Aufbau eines KI-Servers auf?
Drei Hürden haben uns am meisten Zeit gekostet. Die Fernwartung, der Grafiktreiber und eine Architekturkennung, die es in vorkompilierten Bibliotheken noch nicht überall gibt.
Die Installation aus der Ferne war die zähe Phase. Sie war unsere Aufgabe, weil sie durch eine Weboberfläche musste. Die virtuelle Laufwerkseinbindung fehlte im Viewer komplett, weil der Hersteller die Anzahl virtueller CD-Laufwerke ab Werk mit null ausliefert. Danach brauchte es einen Kaltstart des Management-Controllers, danach blockierte eine verwaiste Sitzung die Kontrolle. Der eigentliche Stolperstein war ein nicht bedienbarer Installer. Man sah eine blaue Fläche, Eingaben kamen an, der Dialog wurde nie gezeichnet. Ursache war die Videoerfassung des Management-Controllers, die mit dem Framebuffer-Modus des Installers nicht zurechtkommt. Ein einzelner Boot-Parameter löste es.
Der Grafiktreiber war die erste echte Überraschung. Die Vorgabe lautete, den Production Branch zu nehmen statt der höchsten Versionsnummer. Bei einem Server, der jahrelang laufen soll, ist Stabilität wichtiger als Neuheit. Das Problem war, dass das zugehörige Metapaket seine Versionsvorgabe nicht an die eigentlichen Treiberpakete weitergibt. Man installiert scheinbar den stabilen Zweig und bekommt den experimentellen. Es folgten drei Anläufe. Zwei scheiterten an Eigenheiten des Paketmanagers, der dritte funktionierte und förderte nebenbei einen Paketierungsfehler in der stabilen Version zutage. Am Ende standen 46 Pakete auf einer einheitlichen Version, gesperrt gegen automatische Aktualisierung. Im Einsatz ist NVIDIA 595.71.05 aus dem Production Branch.
Bemerkenswert war das Verhalten bei den Fehlschlägen. Jeder wurde benannt, keiner überspielt. Beim zweiten Fehlversuch kam von selbst die Ansage, dass es noch einen Versuch geben würde und danach die Entscheidung fällt. Diese Selbstbegrenzung hätten wir von einem Menschen erwartet.
Die dritte Hürde trägt eine Zahl, sm_120. Das ist die Architekturkennung der Blackwell-Generation. Grafikbibliotheken werden für bestimmte Kennungen vorkompiliert, und für diese neue war noch nicht überall etwas dabei. Die offiziellen PaddleOCR-Pakete sind für sieben ältere Architekturen gebaut, unsere ist nicht dabei.
Die naheliegende Reaktion wäre gewesen, PaddleOCR selbst zu kompilieren. Wir hatten das sogar vorgeschlagen. Stattdessen kam ein Gegenvorschlag. PaddleOCR ist zweistufig aufgebaut, die schwere Arbeit macht ein Vision-Sprachmodell, und das lässt sich auch von vLLM ausführen, der Software, die auf unserer Karte nachweislich läuft. Nur die kleine Vorverarbeitung bleibt bei PaddleOCR und läuft auf der CPU, wo die fehlende Architekturunterstützung keine Rolle spielt.
Bei Whisper wurde daraus eine Vorhersage. Der übliche Whisper-Server setzt auf eine Bibliothek namens CTranslate2, die genauso vorkompiliert wird. Statt das im Betrieb herauszufinden, wurde vorab geprüft, ob vLLM auch Whisper kann und die passende Schnittstelle mitbringt. Beides traf zu. Damit laufen Gemma 4, Whisper und die Bilderkennung auf einer einzigen Laufzeitumgebung. Ein Image, ein Aktualisierungspfad. Rückblickend ist das die wertvollste Entscheidung des Projekts.
Wie schnell ist lokale KI im Alltag wirklich?
Im Alltagsbetrieb antwortet unsere lokale KI nach etwa einer halben Sekunde. Bei 32 gleichzeitigen Anfragen liefert Gemma 4 insgesamt 1.724 Token pro Sekunde, die Wartezeit bis zum ersten Token bleibt dabei unter 150 Millisekunden.
Der Durchsatz steigt mit der Zahl paralleler Anfragen deutlich an, weil die Grafikkarte mehrere Anfragen gemeinsam verarbeitet. Pro einzelner Anfrage sinkt die Geschwindigkeit dabei, das Gesamtergebnis wächst aber weiter. Alle Werte stammen aus dem Lastwerkzeug von vLLM, jede Anfrage erzeugt exakt 256 Ausgabe-Token. Whisper und die Dokumentenerkennung liefen während der Messung mit auf derselben Karte.
Wie viele Token pro Sekunde schafft der KI-Server bei parallelen Anfragen?
| Parallele Anfragen | Token pro Sekunde gesamt | Token pro Sekunde je Anfrage | Zeit bis zum ersten Token |
|---|---|---|---|
| 1 | 137 | 137 | 59 ms |
| 10 | 668 | 67 | 113 ms |
| 20 | 1.061 | 53 | 116 ms |
| 32 | 1.724 | 54 | 142 ms |
Tabelle 1: Durchsatz von Gemma 4 auf einer NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell bei kurzen Anfragen mit 128 Token Eingabe und 256 Token Ausgabe. Quelle: eigene Messung mit dem Lastwerkzeug von vLLM 0.26.0, August 2026.
Von einer auf 32 parallele Anfragen steigt der Gesamtdurchsatz um den Faktor 12,6. Praktisch bedeutet das, dass eine einzelne Karte eine ganze Abteilung gleichzeitig bedienen kann, ohne dass die Wartezeit bis zum ersten Wort spürbar wächst.
So sieht lokale KI im Chat aus, in Echtzeit aufgezeichnet
Die folgende Aufnahme zeigt einen Chat mit Gemma 4 in ALBERT | AI ohne Zeitraffer. Die Aufgabe lautete, eine kurze Geschichte zu schreiben. Was du siehst, ist die tatsächliche Ausgabegeschwindigkeit der Karte im laufenden Betrieb.
Unten links im Bild ist das aktive Modell auf der RTX PRO 6000 sichtbar. Genau dieses Tempo meinen wir, wenn wir von Alltagsleistung sprechen. Nicht der Spitzenwert im Lasttest zählt, sondern das, was ein Mitarbeitender am Bildschirm erlebt.
Warum wird eine laufende Unterhaltung immer schneller?
Weil der aufgebaute Kontext erhalten bleibt. Die erste Messreihe sah zunächst ernüchternd aus. Eine einzelne Anfrage mit 240.000 Token braucht rund 52 Sekunden bis zum ersten Wort. Bei zehn gleichzeitigen Anfragen dieser Größe bricht der Durchsatz ein, weil der Zwischenspeicher für zehn volle Kontexte nicht reicht. Zehn solche Anfragen bräuchten 2,4 Millionen Token Zwischenspeicher, vorhanden sind 1,63 Millionen. Das ist keine Softwareschwäche, das ist Arithmetik.
Und hier kam der Hinweis, der die Messung erst nützlich machte. Das ist nicht das Lastprofil eines Chats. In einem echten Gespräch wächst die Historie, sie wird nicht jedes Mal neu aufgebaut. Also folgte eine zweite Messung mit drei aufeinanderfolgenden Fragen auf einem Kontext von 175.000 Token.
Die Wartezeit bis zum ersten Token fällt dabei von 32,81 Sekunden bei der ersten Anfrage auf 0,57 Sekunden bei der zweiten und 0,56 Sekunden bei der dritten. Das ist Faktor 57. Die teure Aufbauphase fällt einmal pro Unterhaltung an, nicht pro Nachricht. Ohne diese zweite Messung hätten wir aus den ersten Zahlen den falschen Schluss gezogen und die Kontextlänge womöglich reduziert.
Warum passen 256.000 Token Kontext auf eine einzelne Karte?
Weil Gemma 4 nicht jede Schicht den vollständigen Kontext betrachten lässt. Die Rechnung dazu bekamen wir, bevor irgendetwas installiert war, auf Basis der Konfigurationsdatei des Modells statt auf Basis von Vermutungen.
Gemma 4 hat 30 Schichten, aber nur fünf davon sehen den kompletten Verlauf. Die übrigen 25 arbeiten mit einem gleitenden Fenster von 1.024 Token. Nur diese fünf Schichten müssen den ganzen Kontext vorhalten.
Damit kostet eine vollständig ausgereizte Anfrage über 256.000 Token rund 10 GB Zwischenspeicher statt der etwa 61 GB, die ein klassisches Modell mit durchgehender Aufmerksamkeit gebraucht hätte. Genau das entscheidet zwischen machbar und nicht machbar.
Eine spätere Optimierung legt diesen Zwischenspeicher in niedrigerer Genauigkeit ab. Das verdoppelte die Kapazität bei unverändertem Speicherverbrauch, von 814.862 auf 1.625.419 Token, und damit von drei auf sechs gleichzeitige Anfragen mit vollem Kontext.
Welcher Test hat sich am meisten gelohnt?
Der Neustart-Test. Er hat einen Fehler aufgedeckt, der uns sonst monatelang nicht aufgefallen wäre, weil er keine Fehlermeldung erzeugt.
Bevor der Server produktiv ging, wollten wir wissen, ob nach einem Stromausfall wirklich alles von selbst hochkommt. Alle vier Container kamen zurück. Auf den ersten Blick ein Erfolg. Auf den zweiten nicht, denn sie kamen in der falschen Reihenfolge zurück.
Das hatte messbare Folgen. Die drei GPU-Dienste ermitteln beim Start, wie viel Grafikspeicher noch frei ist, und teilen sich ihr Budget entsprechend zu. Starten sie gleichzeitig, verbucht jeder die Belegung der anderen als eigenen Verbrauch und dimensioniert sich zu klein. Der OCR-Dienst kam mit 73.168 statt 118.912 Token Zwischenspeicher hoch, also knapp 40 Prozent weniger. Bei einem früheren Test hatte es den Whisper-Dienst noch härter getroffen. Und weil die Verteilung vom Zufall abhängt, wäre es nach jedem Neustart anders gewesen.
Die Ursache war eine falsche Annahme in der Konfiguration. Die Abhängigkeitsangaben in einer Docker-Compose-Datei wirken nur beim manuellen Start. Nach einem Neustart startet der Docker-Dienst die Container selbst, und zwar alle gleichzeitig. Die Lösung war ein zusätzlicher Systemdienst, der die Container nach dem Hochfahren geordnet neu startet. Der zweite Neustart-Test bestätigte es, die Reihenfolge stimmte und alle drei Dienste erreichten exakt ihre Sollwerte.
Ein Fehler sah aus wie ein Formatproblem und war keines. Als unsere Anwendung zum ersten Mal eine Audiodatei an den Whisper-Dienst schickte, kam eine Meldung über eine ungültige oder nicht unterstützte Audiodatei zurück. Wir probierten verschiedene Formate, immer dieselbe Meldung. Statt an unserem Client zu suchen, wurde der Fehler direkt auf dem Server mit einer selbst erzeugten Datei reproduziert, einmal als WAV, einmal als MP3. Beide scheiterten. Damit war unser Code aus der Gleichung raus, ohne dass wir ihn anfassen mussten. Dem offiziellen vLLM-Image fehlt schlicht die Bibliothek zum Dekodieren von Audio. Der Code fängt das ab und arbeitet mit einem Platzhalter weiter, mit dem Ergebnis, dass jedes Format abgelehnt wird. Wir bauen seitdem ein eigenes Image, das die Bibliothek ergänzt und beim Bauen selbst prüft, ob sie vorhanden ist.
Wie wird ein lokaler KI-Server überwacht?
Über die vorhandene Überwachung, mit möglichst wenig Handarbeit. Wir betreiben ein bestehendes Zabbix. Der einzige Handgriff in der Oberfläche war das Erzeugen eines API-Zugriffstokens. Alles andere lief über die Schnittstelle. Der Host wurde angelegt, die Standardvorlagen für Linux und Erreichbarkeit verknüpft, und für unsere drei Dienste wurden eigene Prüfpunkte samt Auslösern eingerichtet.
Zwei Details sind bemerkenswert.
- Geprüft wird, ob die Dienste antworten, nicht ob die Container laufen. Ein laufender Container sagt nichts darüber aus, ob die Anwendung darin funktioniert. Nach einem Speicherfehler oder während des Modellladens läuft der Container, der Dienst aber nicht.
- Die Auslöseschwelle wurde zweimal korrigiert. Der erste Entwurf hätte bei jedem geplanten Neustart Alarm geschlagen, weil das Laden der Modelle mehrere Minuten dauert. Die Begründung für die Korrektur haben wir uns gemerkt. Alarme, die man wegklickt, sind keine Alarme mehr. Kurz darauf zeigte sich, dass auch der korrigierte Auslöser noch falsch war, weil er auf den ersten fehlgeschlagenen Test statt auf zehn Minuten Ausfall reagierte. Der Fehler wurde an den tatsächlichen Messwerten belegt, erklärt und behoben, ohne dass wir nachbohren mussten.
Am Ende stehen 41 Auslöser auf diesem Host. Später kam eine Dauerüberwachung dazu, die alle 30 Sekunden Temperaturen, Auslastung und Erreichbarkeit protokolliert. In der ersten Nacht waren das 1.013 Messpunkte über 8,4 Stunden, alle vier Dienste zu 100 Prozent erreichbar, kein einziger Eintrag im Ereignisprotokoll.
Welche Prozesse laufen jetzt auf der lokalen KI?
Vier Prozesse arbeiten produktiv auf dem eigenen Server, und es werden mehr. Alle laufen innerhalb von agorum core pro, im Rechtekontext der jeweiligen User.
- Automatische Verschlagwortung aller Bilder, die in agorum core gespeichert werden.
- Analyse sämtlicher Eingänge, also empfangener E-Mails, Notizen, Dateien und Aufgaben, mit Prüfung auf Dringlichkeit.
- Markierung dringender Nachrichten, die dann als Push-Benachrichtigung ankommen, und automatische Entfernung von Unwichtigem wie Spam aus dem Eingang.
- Kontextbezogene Abwesenheitsantwort im selben Prozess, die dem Absender bei Urlaub automatisch passend antwortet.
- Transkription von Sprachnachrichten aus entgangenen Telefonaten.
Der Effekt im Arbeitsalltag ist unmittelbar. Der Posteingang ist bereits sortiert, bevor jemand ihn öffnet. Bilder sind auffindbar, ohne dass sie jemand von Hand benannt hat. Und ein verpasster Anruf liegt als lesbarer Text vor, nicht als Sprachdatei, die erst abgehört werden muss.
Weitere Prozesse folgen. Jeder davon läuft auf derselben Hardware, ohne dass Daten das Haus verlassen. Wie diese Vorgänge nachvollziehbar und prüffest abgelegt werden, beschreiben wir ausführlich in unserem Beitrag zur Revisionssicherheit in agorum core.
Was nehmen wir aus dem Projekt mit?
Die Zeitersparnis war real, aber sie war nicht der Hauptgewinn. Wertvoller war, dass Entscheidungen begründet und Annahmen überprüft wurden. Die Debian-Frage, die Speicherrechnung vor der Installation, der zweite Messdurchlauf mit realistischem Lastprofil. Das sind Dinge, die wir unter Zeitdruck vermutlich übersprungen hätten.
Fehler wurden benannt, nicht kaschiert. Der falsch konfigurierte Auslöser, die nicht wirkende Startreihenfolge, das zu eng gefasste Paket-Muster beim Treiber. In allen Fällen kam die Korrektur mit Messwerten statt mit Ausreden. Zweimal wurde eine frühere eigene Aussage von selbst richtiggestellt, ohne dass wir nachgehakt hätten. Bei einem System, das an unserer Stelle auf einer Produktivmaschine arbeitet, ist das die Eigenschaft, auf die es ankommt.
Unsere Rolle hat sich verschoben, sie ist nicht verschwunden. Wir haben keine Befehle mehr getippt, aber wir haben entschieden. Welches Betriebssystem, welcher Treiberzweig, welcher Ansatz für die Dokumentenerkennung, ob ein Neustart-Test sein muss. Die guten Fragen kamen zum richtigen Zeitpunkt, und bei allem, was heikel war, wurde nachgefragt statt einfach gemacht.
Und ganz praktisch. Am Ende stand eine Dokumentation, mit der sich die Maschine von blankem Blech neu aufbauen ließe, inklusive aller Stolperfallen mit Begründung. Das ist der Teil, den wir selbst garantiert nicht geschrieben hätten.
Für Unternehmen, die vor derselben Frage stehen, lässt sich das so zusammenfassen. Lokale KI ist heute keine Forschungsaufgabe mehr, sondern ein Infrastrukturprojekt mit bekannten Stolperfallen. Wer das Fundament sauber baut, betreibt darauf beliebig viele Prozesse. Und weil ALBERT | AI Multi-LLM arbeitet, bleibt Gemma 4 austauschbar, sobald ein besseres Modell verfügbar ist. Das Modell wechselt. Die Prozesse, die Berechtigungen und das Unternehmenswissen bleiben.
Eine Randbedingung stand allerdings in keinem Datenblatt. Einen Tag nach der Inbetriebnahme rief die Nachbarschaft an, weil die Maschine zu laut war. Wie wir die Lüfterkurve gemessen und angepasst haben, steht in unserem Beitrag Der Anruf um 23 Uhr, wie unser KI-Server leise wurde.
Technische Eckdaten des KI-Servers im Überblick
| Dienst | Modell | Grafikspeicher | Zwischenspeicher |
|---|---|---|---|
| Sprachmodell, Chat und Werkzeugaufrufe | Gemma 4 26B A4B, Mixture of Experts mit 4B aktiv | 76,5 GiB | 1.625.419 Token |
| Transkription | Whisper large-v3 | 8,6 GiB | 3.854 Token |
| Bilderkennung für die Dokumentenanalyse | PaddleOCR-VL 1.6 | 4,3 GiB | 118.912 Token |
| Reserve | frei gehalten | rund 6 GiB | nicht belegt |
| Grafikkarte | NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell Max-Q | 97.887 MiB gesamt | Compute Capability 12.0 |
| Rechnerplattform | Gigabyte G294-Z21, AMD EPYC 9354P | 32 Kerne, 64 GB DDR5-4800 | Micron 7450 NVMe, 3,5 TB |
| Software | Debian 13.6, NVIDIA 595.71.05 | Docker 29.7.0, vLLM 0.26.0 | Zabbix-Agent 7.0.22 |
Tabelle 2: Aufteilung des Grafikspeichers auf die drei Dienste sowie die eingesetzte Software. Quelle: eigene Inbetriebnahme und Messungen, agorum® Software GmbH, August 2026.
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Was bedeutet lokale KI?
Lokale KI bezeichnet den Betrieb von KI-Modellen auf eigener Hardware im eigenen Netz. Anfragen und Daten werden ausschließlich auf dieser Hardware verarbeitet und verlassen die eigene Infrastruktur nicht. In unserem Fall laufen das Sprachmodell Gemma 4 26B A4B, der Transkriptionsdienst Whisper large-v3 und die Dokumentenerkennung PaddleOCR-VL 1.6 gemeinsam auf einer Grafikkarte mit 96 GB Speicher.
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Welches KI-Modell nutzt ihr auf dem lokalen Server?
Als Sprachmodell setzen wir Gemma 4 26B A4B ein. Es handelt sich um ein Mixture-of-Experts-Modell, bei dem pro Anfrage nur 4 Milliarden Parameter aktiv sind. Das Modell arbeitet mit 256.000 Token Kontext und belegt 76,5 GiB Grafikspeicher. Ergänzt wird es durch Whisper large-v3 für Transkription und PaddleOCR-VL 1.6 für die Dokumentenerkennung. Alle drei laufen unter der Inferenz-Laufzeitumgebung vLLM 0.26.0.
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Wie viele Token pro Sekunde schafft eine lokale KI?
Auf unserem Server liefert Gemma 4 bei einer einzelnen Anfrage 137 Token pro Sekunde. Bei zehn parallelen Anfragen sind es insgesamt 668 Token pro Sekunde, bei 20 Anfragen 1.061 und bei 32 Anfragen 1.724 Token pro Sekunde. Je Anfrage liegt der Wert dann bei 54 Token pro Sekunde. Der Gesamtdurchsatz steigt also um den Faktor 12,6, während die Wartezeit bis zum ersten Token von 59 auf 142 Millisekunden wächst.
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Welche Hardware braucht ein KI-Server im Mittelstand?
Unser Server ist ein Gigabyte G294-Z21 mit einem AMD EPYC 9354P, 32 Kernen, 64 GB Arbeitsspeicher und einer NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell Max-Q mit 97.887 MiB Grafikspeicher. Der Grafikspeicher ist die entscheidende Größe, weil sich Modelle und Zwischenspeicher darin teilen müssen. Bei uns belegt Gemma 4 76,5 GiB, Transkription und Bilderkennung zusammen rund 13 GiB, etwa 6 GiB bleiben als Reserve.
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Wie schnell antwortet eine lokale KI im laufenden Gespräch?
Im Alltagsbetrieb liegt die Wartezeit bis zum ersten Wort bei etwa einer halben Sekunde. Gemessen haben wir 0,57 und 0,56 Sekunden bei der zweiten und dritten Anfrage einer laufenden Unterhaltung auf 175.000 Token Kontext. Die erste Anfrage einer Unterhaltung braucht 32,81 Sekunden, weil der Kontext einmalig aufgebaut wird. Das entspricht Faktor 57 zwischen erster und zweiter Anfrage.
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Kann eine KI die Einrichtung eines Servers übernehmen?
Ja, mit klarer Rollenverteilung. In unserem Projekt hat ALBERT | AI die Ausführung übernommen, während wir die Entscheidungen getroffen haben, also Betriebssystem, Treiberzweig, Architekturansatz und Testumfang. Die Phase, die wir selbst erledigen mussten, war die Betriebssysteminstallation über die Fernwartungsoberfläche, weil sie durch eine Weboberfläche laufen musste.
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Welche Prozesse lassen sich auf lokale KI umstellen?
Bei uns laufen bereits die automatische Verschlagwortung aller in agorum core gespeicherten Bilder, die Analyse sämtlicher Eingänge wie E-Mails, Notizen, Dateien und Aufgaben mit Dringlichkeitsprüfung, das automatische Entfernen von Spam aus dem Eingang, kontextbezogene Abwesenheitsantworten und die Transkription von Sprachnachrichten aus entgangenen Telefonaten. Weitere Prozesse folgen.
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Warum ist ein Neustart-Test bei einem KI-Server wichtig?
Weil Fehler in der Startreihenfolge keine Fehlermeldung erzeugen. In unserem Test kamen zwar alle Container zurück, aber gleichzeitig. Da jeder Dienst beim Start den freien Grafikspeicher ermittelt, dimensionierten sich die Dienste zu klein. Der OCR-Dienst startete mit 73.168 statt 118.912 Token Zwischenspeicher, also knapp 40 Prozent weniger. Ein zusätzlicher Systemdienst, der die Container geordnet neu startet, hat das behoben.
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Bleibt man mit lokaler KI an ein Modell gebunden?
Nein. ALBERT | AI ist Multi-LLM. Das eingesetzte Modell ist jederzeit wechselbar, lokal betriebene und extern angebundene Modelle lassen sich parallel nutzen. Wenn ein besseres Modell als Gemma 4 verfügbar ist, wechselt das Modell. Unternehmenswissen, Berechtigungen und Prozesse bleiben dabei unverändert. Der Modellwechsel ist damit eine Konfigurationsentscheidung.
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Wie wird ein lokaler KI-Server überwacht?
Über die vorhandene Überwachungslösung. Wir haben unseren Server in ein bestehendes Zabbix eingebunden. Der einzige manuelle Schritt war das Erzeugen eines API-Zugriffstokens, alles Weitere lief über die Schnittstelle. Wichtig ist, die Antwortfähigkeit der Dienste zu prüfen statt nur den Containerstatus. Aktuell überwachen 41 Auslöser diesen Host, dazu kommt eine Protokollierung von Temperatur, Auslastung und Erreichbarkeit alle 30 Sekunden.
Über den Autor
Oliver Schulze, agorum® Software GmbH, Region Stuttgart
Dieser Erfahrungsbericht beruht auf der eigenen Inbetriebnahme des beschriebenen KI-Servers. Sämtliche Messwerte, Konfigurationsdetails und Fehlerbeschreibungen stammen aus diesem Projekt und wurden auf der Maschine selbst erhoben, nicht aus fremden Quellen übernommen.
Zuletzt aktualisiert am 3. August 2026. Alle Messwerte wurden mit dem Lastwerkzeug von vLLM 0.26.0 auf der beschriebenen Hardware erhoben.