agorum® ALBERT | AI Ein zu lauter KI-Server, das Wichtigste vorab
Unser KI-Server war im Leerlauf zu laut, obwohl er kalt war und acht Watt zog. Drei Stunden später lief er leise. Die Ideen und Entscheidungen kamen von mir, die gesamte Durchführung übernahm ALBERT | AI, von der Messung über das Lüfterprofil bis zur Überwachung.
Für Entscheider die Kurzfassung.
- Drei Stunden vom Anruf bis zum leisen Server. Allein hätte ich für das Auslesen von 33 Regeln, mehrere Messreihen und eine Nacht Dauerbeobachtung Tage gebraucht.
- Die Arbeitsteilung war der Hebel. Ich habe entschieden, was versucht wird und wo das Risiko liegt. ALBERT | AI hat gemessen, gerechnet, das Profil gebaut, es auf den Management-Controller geladen, den Dauertest überwacht und danach die Überwachung eingerichtet.
- Die erste Erklärung war falsch. Vermutet wurden fehlende Temperatursensoren. Die Messung zeigte etwas anderes, nämlich eine Regelung nach Stromaufnahme ohne jede Dämpfung.
- Der Lärm kühlte nichts. Die Lüfter verdoppelten ihre Drehzahl bei einer Grafikkarte, die 63 Watt zog und 44 Grad warm war.
- Drehzahl unter Volllast halbiert. Von 12.450 bis 16.050 auf 7.050 Umdrehungen, bei 70 statt 59 Grad. Die Warnschwelle liegt bei 92 Grad.
- Der Wechsel zwischen laut und leise sank von 38 auf 0,5 pro Stunde. Das ist Faktor 79 und war das eigentliche Problem, nicht die Lautstärke an sich.
- Der Preis wird benannt. Die Netzwerkkarte ist von 55 auf 70 Grad gestiegen und steht seitdem unter Überwachung.
Was diesen Abend interessant macht, ist weniger das Ergebnis als der Weg dorthin. Ein Mensch mit einer Idee, eine KI mit der Ausdauer für Messreihen.
Was war passiert?
Der KI-Server lief seit einem Tag. Drei Dienste, alles grün, die Einrichtung war abgeschlossen und dokumentiert. Wie wir die Maschine aufgesetzt haben, steht in unserem Beitrag zur lokalen KI im Eigenbetrieb.
Dann klingelte das Telefon. Die Nachbarschaft. Um kurz nach elf an einem Samstagabend ruft niemand an, um zu plaudern. Der Hinweis war freundlich, aber eindeutig. Die Geräuschentwicklung sei zu hoch.
Also habe ich mich direkt wieder hingesetzt, mit demselben KI-Agenten, der mir tags zuvor die Maschine eingerichtet hatte. Meine Beschreibung war einfach. Die Lüfter drehen alle paar Minuten voll auf, die Temperatur geht von 52 auf 54 Grad, fällt dann auf 44, und es wird wieder leise. Ein Zyklus, der sich endlos wiederholt.
Mehr habe ich an diesem Abend nicht selbst getan, jedenfalls nicht technisch. Ab hier lief die Arbeit über ALBERT | AI. Er las die Sensoren aus, startete Messreihen, holte die Konfiguration des Management-Controllers und wertete sie aus. Meine Aufgabe war eine andere, nämlich zu entscheiden, welchen Weg wir gehen und wo wir vorsichtig sein müssen.
Was dann folgte, war die interessanteste Fehlersuche des ganzen Projekts. Nicht wegen der Technik, sondern weil die erste naheliegende Erklärung falsch war und die richtige sich erst nach einer halben Stunde Messen zeigte.
Warum war die naheliegende Erklärung falsch?
Weil die Maschine eiskalt war und trotzdem Lärm machte. Die erste Vermutung nach einem Blick auf die Sensoren klang plausibel. Das Gehäuse ist für acht Grafikkarten gebaut, bei uns steckt genau eine drin. Sieben von acht Temperatursensoren melden entsprechend, dass kein Gerät vorhanden ist, und eine Lüftersteuerung ohne Signal dreht im Zweifel hoch.
Dann kam die Messung, und die drehte das Bild um.
- Grafikkarte: 31 Grad, 7,95 Watt von 300 möglichen
- Prozessor: 38 Grad
- Lufteinlass: 27 Grad
- Und trotzdem: alle 16 Gehäuselüfter zwischen 4.200 und 6.300 Umdrehungen
Die Maschine zog acht Watt und machte Lärm. Damit war die erste Theorie erledigt. Es war keine Notkühlung wegen fehlender Sensoren. Das Ereignisprotokoll des Management-Controllers zeigte in der ganzen Zeit kein einziges Temperaturereignis. Es war schlicht eine Regelung, die außerhalb ihres vorgesehenen Betriebsbereichs arbeitete.
Genau hier liegt der Wert des Messens. Ohne die Zahlen hätten wir in die falsche Richtung optimiert und vermutlich versucht, Sensoren zu überbrücken, die gar nicht das Problem waren.
Was hat eine Grafikkarte aus der Spiele-Ecke mit einem Serverschrank zu tun?
Mehr, als man denkt. An dieser Stelle machte es bei mir klick, und zwar aus einer Ecke, mit der ich nicht gerechnet hätte.
In jüngeren Jahren war ich begeisterter PC-Spieler. Und wer damals eine Grafikkarte hatte, die unter Last klang wie ein startender Föhn, hat sich früher oder später mit Lüfterkurven beschäftigt. Das Prinzip ist immer dasselbe. Der Hersteller liefert eine Kennlinie aus, die für den ungünstigsten denkbaren Fall ausgelegt ist, also heißer Sommertag, schlecht belüftetes Gehäuse, Dauervolllast. Wer seine eigene Situation kennt, kann deutlich leiser fahren, ohne die Leistung anzutasten.
Zwei Dinge lernt man dabei schnell.
- Man muss der Hardware erlauben, warm zu werden. 70 Grad sind für einen Chip, der bis 90 spezifiziert ist, kein Problem. Es fühlt sich nur so an, weil man gewohnt ist, niedrigere Zahlen zu sehen.
- Man braucht Hysterese. Ohne sie pumpen die Lüfter. Sie drehen hoch, kühlen den Chip unter die Schwelle, fallen zurück, der Chip erwärmt sich wieder, sie drehen hoch. Genau dieses Auf und Ab ist es, was nervt, nicht die Lautstärke an sich.
Genau dieselben zwei Punkte fanden sich hier wieder. Nur eben nicht in einem Übertaktungswerkzeug mit Schieberegler, sondern in einem Management-Controller mit 33 Regeln.
Was tat die Werksregelung tatsächlich?
Drei Dinge gleichzeitig, und alle drei waren für unseren Fall ungeeignet.
Die Steuerung folgte gar nicht der Temperatur. Die entscheidenden Regeln für die Grafikkartenzonen arbeiten mit der Stromaufnahme der 12-Volt-Schiene. Ab 4 Ampere beginnt die Rampe, bei 14 Ampere ist sie bei 85 Prozent. 14 Ampere sind rund 170 Watt, bei einer Karte, die 300 ziehen darf. Das ist eine Vorsteuerung, die von der Leistungsaufnahme auf die zu erwartende Wärme schließt, statt zu warten, bis sie entsteht. Für ein Gehäuse mit acht Karten zu je 600 Watt ist das sinnvoll. Bei einer einzigen ist es sinnlos aggressiv.
Die Hysterese stand auf null. Keinerlei Dämpfung. Jeder Lastschub schlug sofort durch.
Die Kennlinien hatten zwei Stützpunkte statt vier. 30 Prozent, dann 85 Prozent. Es gab schlicht kein Dazwischen.
Die Messung über 30 Minuten brachte es auf den Punkt. Die Spanne lag zwischen 5.400 und 16.050 Umdrehungen, mit 19 Zustandswechseln in einer halben Stunde. Der größte Sprung ging von 5.400 auf 16.050 Umdrehungen in zehn Sekunden.
Die aufschlussreichsten Datenpunkte waren diese. Bei 63 Watt und 44 Grad sprang die Drehzahl von 6.600 auf 12.450. Bei 62 Watt und 41 Grad von 5.400 auf 11.100. Die Lüfter verdoppelten ihre Drehzahl für eine Karte, die kaum etwas zu tun hatte. Das war der Lärm, der die Nachbarschaft geweckt hatte, und er kühlte nichts.
Der Grund für den Rhythmus war schnell klar. Bei uns laufen auch nachts immer wieder kurze Verarbeitungsschübe. Jeder einzelne davon traf auf eine ungedämpfte Zweipunktregelung.
Wie kommt man an eine Lüftersteuerung heran, die es angeblich nicht gibt?
Indem man die Berichte anderer nicht ungeprüft übernimmt. Wir wussten jetzt, was zu tun war. Nur kamen wir nicht heran.
Sämtliche üblichen Kommandozeilenwege zur Lüftersteuerung antworteten mit einem ungültigen Befehl. Die Recherche förderte Berichte anderer Nutzer zutage, die zum selben Schluss kamen. Bei dieser Controller-Familie gebe es keine skriptbare Lüftersteuerung, nur die Weboberfläche.
Statt das zu übernehmen, wurde es an unserem Gerät nachgeprüft, und die Berichte stimmten für uns nicht. Die moderne Management-Schnittstelle funktionierte, und dort fand sich eine herstellereigene Erweiterung für Lüfterprofile. Genau das, was es angeblich nicht gab. Damit war der Weg offen. Die komplette Konfiguration ließ sich auslesen, sichern und wieder einspielen.
Eine Sackgasse, die trotzdem wertvoll war. Der Controller kennt drei Betriebsarten, nämlich Automatik, Voll und Halb. Das klang nach der einfachen Lösung, also haben wir es zuerst probiert. Halb bedeutet einen festen Wert von 50 Prozent, ohne jede Regelung. Unter Volllast war das tatsächlich deutlich leiser als vorher. Im Leerlauf aber lauter, nämlich 9.150 statt 5.400 Umdrehungen. Für einen Server, der die meiste Zeit im Leerlauf steht, genau falsch herum.
Der eigentliche Gewinn dieses Tests war ein anderer. Er lieferte die Eichkurve. Jetzt wussten wir, welcher Prozentwert welcher Drehzahl entspricht, und vor allem, dass die Karte bei 9.150 Umdrehungen unter voller Dauerlast bei 66 Grad bleibt. Vorher waren es 59 Grad bei rund 12.500 Umdrehungen. Ein Drittel weniger Drehzahl kostete gerade einmal sieben Grad. Bei einer Warnschwelle von 92 Grad war damit klar, wie viel Luft nach unten wirklich war.
Wer hat an diesem Abend eigentlich was gemacht?
Ich habe die Ideen beigesteuert und entschieden. ALBERT | AI hat den Großteil der Arbeit geleistet. Ohne diese Aufteilung wären aus drei Stunden mehrere Tage geworden.
| Arbeitsschritt | Mensch | ALBERT | AI |
|---|---|---|
| Problem beschreiben | Beobachtung schildern | Sensoren auslesen |
| Diagnose über 30 Minuten | nichts | Messreihe führen und auswerten |
| 33 Regeln der Steuerung verstehen | nichts | auslesen, sichern, analysieren |
| Zugang zur Lüftersteuerung finden | nichts | Schnittstellen prüfen statt Foren glauben |
| Idee zum risikofreien Vorgehen | Profil hochladen ohne zu aktivieren | Vorschlag prüfen und umsetzen |
| Neue Kennlinien berechnen | Zielrichtung vorgeben | Stützpunkte und Hysterese auslegen |
| Profil auf den Controller laden | Freigabe erteilen | Upload und Aktivierung durchführen |
| Schutzmechanismus während der Umstellung | Schwelle bei 85 Grad festlegen | automatische Rücknahme einrichten |
| Dauertest über 8,4 Stunden | schlafen | 1.013 Messpunkte alle 30 Sekunden |
| Überwachung in Zabbix einrichten | Warnschwelle bestimmen | Prüfpunkte und Auslöser anlegen |
| Hörtest vor Ort | zuhören und urteilen | Lasttest fahren und protokollieren |
Tabelle 1: Aufteilung der Arbeitsschritte zwischen Mensch und KI im Verlauf des Abends. Quelle: eigenes Vorgehen, agorum® Software GmbH, August 2026.
An einer Stelle konnte ich inhaltlich etwas beisteuern, und die Reaktion darauf fand ich bemerkenswert. Der Plan sah vor, sich vorsichtig an den Upload der Konfiguration heranzutasten, weil ein fehlerhaftes Profil die Kühlung betrifft. Ich hatte zwischenzeitlich in die Weboberfläche geschaut und gesehen, dass man dort mehrere Profile anlegen kann, die nebeneinander existieren, und eines davon aktiv schaltet.
Meine Frage war entsprechend. Wenn man ein Profil nur hochlädt, ohne es zu aktivieren, wäre das nicht risikofrei? Die Antwort war ein klares Ja, verbunden mit dem Hinweis, dass das der bessere Weg sei als der ursprünglich geplante. Genau so haben wir es dann gemacht.
Ich schreibe das nicht, um mich zu loben, sondern weil es die Arbeitsteilung auf den Punkt bringt. Ich hatte den Blick auf die Oberfläche und das Gespür für das Risiko, die Maschine hatte die Ausdauer für 33 Regeln und die Geduld für eine Nacht Dauermessung.
Wie unterscheidet sich das eigene Lüfterprofil vom Werksprofil?
| Parameter | ab Werk | eigenes Profil |
|---|---|---|
| Grundlast im Leerlauf | 30 Prozent | 15 Prozent |
| Hysterese | 0 Kelvin | 5 Kelvin |
| Steuerung nach Stromaufnahme | 4 A auf 30 Prozent, 14 A auf 85 Prozent | 12, 20 und 26 A auf 15, 28 und 45 Prozent |
| Steuerung nach Temperatur | 55 Grad auf 30 Prozent, 75 Grad auf 85 Prozent | 60, 72, 82 und 88 Grad auf 15, 28, 50 und 100 Prozent |
Tabelle 1: Vergleich der wichtigsten Parameter zwischen Werksprofil und angepasstem Lüfterprofil. Quelle: eigene Konfiguration und Messung, agorum® Software GmbH, August 2026.
Entscheidend war dabei eine Zurückhaltung, auf die ich selbst vermutlich nicht gekommen wäre. Nur die Regeln für die Grafikkarte wurden angefasst. Die Regeln für Prozessor, Arbeitsspeicher, Datenträger und Netzwerkkarte behielten ihre Originalschwellen, dort wurde ausschließlich die Grundlast gesenkt. Deren Schutzfunktion blieb vollständig erhalten. Und nach oben bleibt die Kennlinie scharf, denn 16 der 33 Regeln erreichen weiterhin volle Drehzahl. Bei 88 Grad dreht die Maschine auf, wie sie soll.
Wie viel leiser wurde der Server konkret?
| Messwert | vorher | nachher |
|---|---|---|
| Leerlauf, Lüfter der Grafikkartenzone | 5.400 U/min | 2.550 U/min |
| Leerlauf, Gehäuselüfter | 6.150 U/min | 3.600 U/min |
| Volllast bei 300 Watt | 12.450 bis 16.050 U/min | 7.050 U/min |
| Temperatur der Grafikkarte unter Volllast | 59 Grad | 70 Grad |
| Temperatur der Netzwerkkarte | 55 Grad | 70 Grad |
| Wechsel zwischen laut und leise | 38 pro Stunde | 0,5 pro Stunde |
Tabelle 2: Messwerte vor und nach der Anpassung der Lüfterkurve. Quelle: eigene Messung, agorum® Software GmbH, August 2026.
70 Grad statt 59. Für jemanden, der aus der Spiele-Ecke kommt, ist das kein schlechter Wert, sondern ein guter, nämlich 22 Grad Abstand zur Warnschwelle bei weniger als der halben Drehzahl. Die Aktivierung lief übrigens mit laufender Messung und automatischer Rücknahme, falls die Karte 85 Grad erreicht hätte. Sie erreichte 70.
Wie ruhig war die erste Nacht?
Ruhig genug, um die Änderung freizugeben. Nur habe ich sie nicht selbst überwacht, denn ich habe geschlafen.
Die Dauermessung über die ganze Nacht lief bei ALBERT | AI. Alle 30 Sekunden Temperaturen, alle Lüfter, alle Dienste, dazu die Auslastung der Grafikkarte. Vor allem lief eine automatische Notbremse mit, die das alte Profil zurückgeholt hätte, falls die Karte zu warm geworden wäre. Diese Kombination war der Grund, warum ich das Ganze überhaupt über Nacht laufen lassen konnte. Ohne mitlaufende Beobachtung und ohne Rückfallebene hätte ich das Profil am Abend wieder zurückgesetzt und die Sache auf den Montag verschoben.
Das Ergebnis nach 8,4 Stunden und 1.013 Messpunkten.
- 98,7 Prozent der Zeit im leisen Bereich zwischen 3.000 und 5.000 Umdrehungen, das sind 500 Minuten.
- 1,3 Prozent im hörbaren Bereich zwischen 5.000 und 7.500 Umdrehungen, das sind 6 Minuten.
- Null Minuten über 9.000 Umdrehungen.
- Vier Wechsel zwischen laut und leise in 8,4 Stunden statt zuvor 19 in 30 Minuten.
- Kein einziger Eintrag im Ereignisprotokoll, alle Dienste zu 100 Prozent erreichbar.
Dabei war die Maschine keineswegs untätig. In dieser Nacht liefen 14 Lastschübe über 150 Watt, also genau die Schübe, die vorher jedes Mal das Aufheulen ausgelöst hatten. Am Morgen lag die Auswertung fertig vor, mit Verteilung der Drehzahlen, Temperaturverlauf und der Feststellung, dass die Notbremse nicht ein einziges Mal angesprochen hatte.
Was hat die Ruhe gekostet?
15 Grad bei der Netzwerkkarte. Dieser Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu, und er kam von selbst zur Sprache, bevor ich danach fragen konnte.
Die Netzwerkkarte ist von 55 auf 70 Grad gestiegen. Sie wird von den Gehäuselüftern gekühlt, und die laufen jetzt langsamer. Sie ist damit das Bauteil, das die Ruhe bezahlt hat, und sie war schon vorher das wärmste im Gehäuse.
Kritisch ist das nicht. Die Warnschwelle des Sensors liegt bei 100 Grad, die kritische bei 105. Und die zuständige Regel greift ab genau 70 Grad, sodass jedes weitere Grad automatisch mehr Luft bringt. Der Wert war über die ganze Nacht stabil zwischen 68 und 71 Grad.
Trotzdem wurde daraus sofort eine Konsequenz gezogen, und zwar ohne dass ich sie einfordern musste. Dieser Sensor wanderte in unsere Überwachung, mit einer Warnung bei 85 Grad. ALBERT | AI hat die Prüfpunkte und Auslöser in Zabbix selbst angelegt, zusammen mit der laufenden Erfassung aller Lüfterdrehzahlen und Temperaturen. Meine Beteiligung bestand darin, die Warnschwelle festzulegen. Was auffällt, gehört unter Beobachtung, auch wenn es gerade unkritisch ist.
Der Härtetest war das eigene Ohr. Am nächsten Tag war ich vor Ort und wollte hören, wie sich Volllast anhört. Also fünf Minuten unter Vollgas, gefahren und protokolliert von ALBERT | AI, während ich daneben stand und zuhörte. Vorab bekam ich eine Erwartung mitgeteilt, nämlich dass die Drehzahl über etwa eine Minute gleichmäßig ansteige. Das stimmte nicht, und es wurde nach dem Test von selbst richtiggestellt, mit den Messwerten daneben. Tatsächlich sprang sie innerhalb von 14 Sekunden von 2.550 auf 6.750, weil die Vorsteuerung über die Stromaufnahme sofort reagiert und die Hysterese auf Temperaturen wirkt, nicht auf Ströme.
Interessanter war eine andere Beobachtung aus demselben Test. Die Gehäuselüfter bewegten sich praktisch nicht. Sie blieben zwischen 3.450 und 4.200 Umdrehungen, unabhängig von der Last. Die ganze Arbeit machten die Zonen an der Grafikkarte, und die sitzen tiefer im Gehäuse. Das Zurückfallen ging schnell, von 7.050 auf 2.550 Umdrehungen in unter 25 Sekunden. Mein Urteil vor Ort war eindeutig. Von außen hört man nichts mehr.
Welche Sicherheitskette greift bei welcher Temperatur?
| Temperatur der Grafikkarte | Was passiert |
|---|---|
| bis 60 Grad | 15 Prozent Drehzahl |
| 72 Grad | 28 Prozent Drehzahl |
| 80 Grad | Warnung in der Überwachung |
| 82 Grad | 50 Prozent Drehzahl |
| 85 Grad | automatische Rücknahme auf das Werksprofil |
| 88 Grad | 100 Prozent Drehzahl und Alarm |
| 92 Grad | Warnschwelle des Herstellers |
Tabelle 3: Gestaffelte Sicherheitskette des angepassten Profils. Gemessenes Maximum im Betrieb: 70 Grad. Quelle: eigene Konfiguration, agorum® Software GmbH, August 2026.
Was nehmen wir aus dieser Nacht mit?
Drei Stunden statt mehrerer Tage, und der Unterschied liegt in der Arbeitsteilung. Die Idee mit der Lüfterkurve hätte ich auch allein gehabt. Was ich allein nicht gehabt hätte, ist die Ausdauer, an einem Samstagabend 33 Regeln auszulesen, drei Messreihen zu fahren, eine Eichkurve aus einem gescheiterten Versuch zu ziehen, ein Profil zu berechnen, es auf den Management-Controller zu laden, eine Nacht lang jede halbe Minute nachzusehen und am Ende die Überwachung einzurichten. Genau das hat ALBERT | AI übernommen, unter meiner Steuerung.
Das Prinzip war alt, die Umgebung neu. Was ich vor Jahren an einer Grafikkarte gemacht habe, um beim Spielen meine Ruhe zu haben, war hier inhaltlich dasselbe. Der Hersteller liefert für den ungünstigsten Fall aus, und wer seine tatsächliche Situation kennt und misst, kann erheblich leiser fahren, ohne an der Sicherheit zu sparen. Nur ging es diesmal nicht um einen Schieberegler, sondern um 33 Regeln in einem Management-Controller.
Gemessen statt geraten. Jeder Schritt hing an Zahlen. Die Diagnose an 30 Minuten Aufzeichnung, die Auslegung an zwei Stützpunkten aus einem Test, der eigentlich eine Sackgasse war, die Freigabe an einer Nacht Dauermessung. Die erste naheliegende Erklärung mit den fehlenden Sensoren war schlicht falsch, und ohne Messung hätten wir in die falsche Richtung optimiert.
Und die Reihenfolge stimmte. Erst sichern, dann testen, was folgenlos ist, dann das Neue anlegen ohne es scharf zu schalten, dann umschalten unter Beobachtung mit automatischer Rücknahme. Bei etwas, das die Kühlung unserer teuersten Maschine betrifft, ist das die einzig vertretbare Reihenfolge, und ich musste sie nicht einfordern. Die Schutzmechanismen kamen als Vorschlag, nicht als Zugeständnis.
Für Unternehmen, die über eigene KI-Hardware nachdenken, steckt darin eine allgemeine Erkenntnis. Der Betrieb endet nicht mit der Installation, er fängt dort an. Wer eine Maschine in ein bestehendes Umfeld stellt, trifft auf Randbedingungen, die in keinem Datenblatt stehen, etwa eine Nachbarschaft, die schlafen will. Solche Aufgaben scheitern selten am Wissen. Sie scheitern an der Zeit, die niemand hat. Genau hier verschiebt sich etwas, wenn eine KI die Durchführung übernimmt und der Mensch die Entscheidungen trifft.
agorum® Beratung Du planst eigene KI-Hardware im Unternehmen?
Unsere Experten zeigen dir in einer kostenlosen Online-Demo, wie ALBERT | AI mit einem lokalen Modell in deiner eigenen Infrastruktur arbeitet, im Berechtigungskontext deiner Mitarbeitenden und lückenlos protokollierbar. Mit deinen Daten. Unter deinen Regeln.
Jetzt unverbindlich beraten lassenagorum® FAQ Lüfterlärm bei einem KI-Server
-
Warum ist ein KI-Server auch im Leerlauf laut?
Weil viele Werksprofile für die maximale Ausbaustufe des Gehäuses ausgelegt sind. Unser Gehäuse ist für acht Grafikkarten gebaut, betrieben wird eine einzige. Die Regelung folgte zudem der Stromaufnahme der 12-Volt-Schiene statt der Temperatur und begann ihre Rampe bereits ab 4 Ampere. Ergebnis waren bis zu 6.300 Umdrehungen bei einer Karte, die 31 Grad warm war und acht Watt zog.
-
Was ist eine Lüfterkurve?
Eine Lüfterkurve ist die Kennlinie, die festlegt, bei welchem Messwert die Lüfter mit welcher Drehzahl laufen. Als Eingangsgröße dienen typischerweise Temperatur oder Stromaufnahme. Werksseitig ist diese Kennlinie für den ungünstigsten denkbaren Fall ausgelegt. Wer die eigene Einbausituation kennt und misst, kann sie anpassen und dadurch deutlich leiser fahren.
-
Was bedeutet Hysterese bei einer Lüftersteuerung?
Hysterese ist der Abstand zwischen Einschalt- und Ausschaltschwelle. Ohne Hysterese drehen die Lüfter hoch, kühlen das Bauteil unter die Schwelle, fallen zurück, das Bauteil erwärmt sich erneut und der Vorgang beginnt von vorn. Genau dieses Pumpen wird als störend empfunden, nicht die Lautstärke an sich. In unserem Werksprofil stand die Hysterese auf null, im eigenen Profil auf 5 Kelvin.
-
Wie stark lässt sich die Drehzahl senken?
Bei uns hat sich die Drehzahl unter Volllast von 12.450 bis 16.050 auf 7.050 Umdrehungen reduziert, im Leerlauf von 5.400 auf 2.550 Umdrehungen in der Grafikkartenzone. Der Preis dafür waren 11 Grad höhere Temperatur an der Grafikkarte, also 70 statt 59 Grad, bei einer Warnschwelle von 92 Grad.
-
Ist eine höhere Temperatur ein Risiko?
Nicht, solange ausreichend Abstand zur Spezifikation bleibt und die Sicherheitskette erhalten ist. Unsere Grafikkarte erreicht unter Volllast 70 Grad bei einer Warnschwelle von 92 Grad. Ab 82 Grad steigt die Drehzahl auf 50 Prozent, ab 85 Grad wird automatisch das Werksprofil zurückgeholt, ab 88 Grad läuft die Kühlung auf 100 Prozent. 16 der 33 Regeln erreichen weiterhin volle Drehzahl.
-
Welche Bauteile leiden unter einer leiseren Einstellung?
In unserem Fall die Netzwerkkarte. Sie wird von den Gehäuselüftern gekühlt und ist von 55 auf 70 Grad gestiegen. Ihre Warnschwelle liegt bei 100 Grad, die kritische Schwelle bei 105 Grad, und die zuständige Regel greift ab 70 Grad. Der Wert blieb über die ganze Nacht stabil zwischen 68 und 71 Grad. Wir überwachen diesen Sensor seitdem mit einer Warnung bei 85 Grad.
-
Wie geht man bei so einer Änderung sicher vor?
In vier Schritten. Zuerst die bestehende Konfiguration auslesen und sichern. Dann einen folgenlosen Test durchführen, bei uns der Upload des unveränderten Profils. Danach das neue Profil anlegen, ohne es zu aktivieren. Und erst zuletzt umschalten, unter laufender Messung und mit automatischer Rücknahme bei einer definierten Temperatur.
-
Welche Arbeiten hat ALBERT | AI dabei konkret übernommen?
Die gesamte Durchführung. Sensoren auslesen, drei Messreihen führen und auswerten, die Konfiguration mit 33 Regeln sichern und analysieren, den Zugang über die Management-Schnittstelle finden, die neuen Kennlinien und die Hysterese berechnen, das Profil auf den Management-Controller laden und aktivieren, während der Umstellung eine automatische Rücknahme bei 85 Grad einrichten, den Dauertest über 8,4 Stunden mit 1.013 Messpunkten überwachen, den Lasttest fahren und protokollieren sowie anschließend die Prüfpunkte und Auslöser in Zabbix anlegen. Bei uns lagen die Ideen, die Entscheidungen und die Freigaben.
-
Warum ging das in drei Stunden?
Weil die zeitaufwendigen Teile parallel und ohne menschliche Wartezeit liefen. Das Auslesen und Verstehen von 33 Regeln, mehrere Messreihen, das Berechnen der Kennlinien und die durchgehende Beobachtung während der Umstellung sind Arbeiten, die einzeln viel Zeit kosten und volle Aufmerksamkeit binden. Diese Teile hat ALBERT | AI übernommen, während bei uns nur die Entscheidungspunkte lagen. Die Nacht-Dauermessung lief ohnehin unbeaufsichtigt weiter.
Über den Autor
Oliver Schulze, agorum® Software GmbH, Region Stuttgart
Dieser Erfahrungsbericht beruht auf dem eigenen Betrieb des beschriebenen KI-Servers. Sämtliche Messwerte, Konfigurationsdetails und Temperaturangaben stammen aus diesem Projekt und wurden an der Maschine selbst erhoben, nicht aus fremden Quellen übernommen.
Zuletzt aktualisiert am 3. August 2026. Alle Drehzahl- und Temperaturwerte stammen aus eigenen Messreihen am beschriebenen Gerät.