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Digitalisierung der Arbeit: Nimmt der Computer uns Arbeit ab oder weg?

Digitalisierung der Arbeit

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt ist eines der meistdiskutierten Themen unserer Zeit. Einerseits herrscht Freude über den neugewonnenen Freiraum für Kreativität und Innovation, weil Computer und Maschinen uns schon heute lästige Arbeit abnehmen, andererseits hört man immer wieder auch Befürchtungen, dass der Mensch in der Arbeitswelt der Zukunft keinen Platz mehr haben wird. Ein Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB geht nun der Frage nach, inwieweit Computer und Maschinen den Menschen wirklich vom Arbeitsmarkt verdrängen können.

Das Fazit der Studie vorweg: Der Mensch ist in den wenigsten Berufen vollständig ersetzbar

Folgt man der aktuellen Diskussion, drängt sich oft ein anderer Eindruck auf. Vom Wegfall ganzer Berufsgruppen ist die Rede, untermauert z. B. durch die oft zitierte Frey/Osborne-Studie* von 2013, nach der in den nächsten 10 bis 20 Jahren fast 50 Prozent aller Beschäftigten in den USA durch Computer und computergesteuerte Maschinen ersetzt werden könnten.

Der IAB-Forschungsbericht untersucht erstmals für Deutschland das Substituierbarkeitspotenzial verschiedener Berufe und gliedert die Ergebnisse nach Anforderungsniveau der Berufe und nach Berufssegmenten auf.

Einige interessante Ergebnisse betreffend die Berufssegmente: 

  • Am höchsten ist das Substituierbarkeitspotenzial bei den Fertigungsberufen, wo bereits heute über 70 Prozent aller Tätigkeiten von Computern erledigt werden könnten. In der technischen Fertigung, also z. B. in der Automobilindustrie oder im Maschinenbau, sind es immer noch 65 Prozent.
  • Alle anderen Berufsgruppen liegen unter 50 Prozent – wobei erstaunlicherweise Berufe in der Unternehmensführung und Organisation die 50 Prozent fast knacken.
  • Das untere Ende der Skala mit unter 10 Prozent bilden soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe, Sicherheitsberufe liegen knapp über 10 Prozent und Reinigungsberufe trotz Staubsauger- und Wischrobotern bei wenig über 20 Prozent.

Bezüglich des Anforderungsniveaus sind Helfer erwartungsgemäß eher durch Computer ersetzbar als Experten. Was aber überrascht: Fachkräfte haben allgemein ein fast ebenso hohes Substituierbarkeitspotenzial wie Helfer ohne Berufsausbildung. Das erklärt die Studie mit der Tatsache, dass Helfer oft manuelle Tätigkeiten erledigen, die kaum mit programmierbaren Algorithmen abgebildet werden können. Sowohl bei Helfern (46%) als auch Fachkräften (45,4%) liegt der Anteil der automatisierbaren Tätigkeitsbestandteile jedoch unter 50 Prozent. Bei Menschen mit weiterführender Ausbildung (Meister, Techniker, Akademiker) kann “Kollege Computer” heute nur 18,8 % bis 33,4 % aller Tätigkeiten übernehmen. Auch diese Studie untermauert also, dass sich Bildung auszahlt.

Die weiterhin betrachteten Kombinationen aus Berufssegment und Anforderungsniveau für einzelne Branchen würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Stellvertretend für viele auf den ersten Blick überraschende Ergebnisse sei das Berufssegment “Bau- und Ausbauberufe” genannt, bei dem höherqualifizierte Tätigkeiten zu einem höheren Grad automatisierbar sind als Helferjobs – erklärbar durch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Computern bei der Planung und Berechnung von Bauwerken.

Fakt ist: Computer erledigen Routinetätigkeiten, Menschen haben mehr kreativen Freiraum

Zum Schluss möchten wir noch mal auf die Eingangsfrage zurückkommen: Nimmt der Computer uns Arbeit ab oder weg? Bei der Antwort helfen die Forschungsergebnisse des IAB ebenfalls weiter, denn sie stellen klar, dass durch die Digitalisierung der Arbeit die wenigsten Berufe vollständig verschwinden werden. Was sich ändert, sind die Arbeitsinhalte. Weg von lästigen Routinetätigkeiten hin zu abwechslungsreicheren Aufgaben, für die Computer heute noch nicht “schlau” genug sind. Ob dies als “Wegnehmen” oder “Abnehmen” von Arbeit verstanden wird, muss jeder selbst entscheiden. Wir wagen die These, dass die meisten Menschen sich eher darüber freuen werden, wenn ihre Arbeit interessanter wird.

Welche Erfahrung haben Sie mit der Digitalisierung der Arbeit gemacht?

Wie sehen Sie die Substituierbarkeit verschiedener Tätigkeiten? Wie stellt sich der digitale Arbeitsplatz bei Ihnen dar? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Literatur

* Frey, Carl Benedikt; Osborne, Michael A. (2013): The future of emplyment. How susceptible are jobs to computerisation? Oxford.

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